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Holtzbrinck kauft StudiVZ

Donnerstag, 04. Jan 2007 (1:30) gsyi

Das Web2.0-Fieber geht weiter: gestern übernahm die bekannte Verlagsgruppe Holtzbrinck die Studentencommunity StudiVZ, zu einem sagenhaften Preis von (angeblich) 100 Mio Euro laut Spiegel. Offiziell wird jedoch Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart.

Imho sind 100 Mio Euro aus folgenden Gründen unrealistisch:
1. StudiVZ hat laut eigenen Angaben momentan 1 Mio Studenten als Mitglieder. Bei einem Kaufpreis von 100 Mio würde demnach
1 Student = 100 Euro
wert sein. Bei dieser vergleichsweise uninteressanten Zielgruppe (niedrige Kaufkraft) kaum vorstellbar.

2. Holtzbrinck erzielte im Jahr 2005 18,1 Mio Euro Umsatz mit elektronischen Medien. 100 Mio würde also etwa das 5,5fache des Jahresumsatzes vom 2005 bedeuten.

3. Holtzbrinck war Venture Capitalist von StudiVZ und besaß ohnehin einen Anteil als Minderheitsgesellschafter (Anteil weniger als 50%) daran. Demnach würde es also bedeuten, dass Holtzbrinck StudiVZ noch mehr als 100 Mio Euro bewertet.

Bei der Bewertung von StudiVZ kann ich mir vorstellen, dass Holtzbrinck das Multiplikatorverfahren herangezogen hat. Kurz gesagt erhält man den Wert des Unternehmens dadurch, dass man die Bewertungen von vergleichbaren Unternehmen (in diesem Fall wohl das amerikanische Vorbild Facebook und wahrscheinlich auch MySpace) in Relation zu wichtigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Gewinn, EBIT oder Umsatz setzt (Multiplikator) und diese mit der entsprechenden Bezugsgröße (ebenfalls Gewinn, EBIT, Umsatz oder andere entscheidende Kennzahlen) mit dem zu bewertenden Unternehmen setzt.

Da wir jedoch die Bilanzdaten von StudiVZ nicht kennen, können wir auch mithilfe der Bewertung von Facebook versuchen, den groben Wert von StudiVZ zu ermitteln:
Yahoos Bewertung von Facebook:
900 Mio Dollar im September 2006

Mitgliederzahl bei Facebook:
Ende 2005 7,5 Mio, täglich durchschnittlich 20.000 neue Konten laut Medienmeldungen
Im September 2006 wahrscheinlich:
7.500.000 + 20.000 * 30 * 9 = 12,9 Mio Mitglieder

Für Yahoo wären also ~13 Mio Studenten 900 Mio Dollar wert. Nun dividieren wir 900 mit 13 (da StudiVZ ja nur 1 Mio Mitglieder hat) und erhalten ~70 Mio Dollar. Nach dem aktuellen Devisenkurs wäre dies umgerechnet etwa 50 Mio Euro.
Anders ausgedrückt würde Yahoo etwa 50 Mio Euro für StudiVZ hinblättern (Unternehmenswachstum eingeschlossen), wenn die Zahlen aus den Medienmeldungen annähernd stimmen.

Ich bin jedenfalls gespannt, was Holtzbrinck aus StudiVZ macht. Gerade in der jetzigen Phase, in der die so genannten Web2.0 Projekte wie Pilze aus dem Boden schießen, wird das Projekt im Falle einer Liquidation, falls es sich nicht gegen anderen Communities behaupten kann, nicht mehr viel wert sein. Strategisch gesehen kommt jetzt nach der Übernahme für Holtzbrinck (wie bei Openbc) eine IPO-Option in Frage. In naher Zukunft werden wir wohl mit einem Börsengang von StudiVZ rechnen.



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Postname: Holtzbrinck kauft StudiVZ
Kategorien: Web 2.0

10 Kommentare Kommentar abgeben

  • 1. Jojo  |  Januar 4th, 2007 um 2:10  |  Commentlink

    Laut StudiVZ sollen es deutlich unter 100 Mio. Euro gewesen sein. Genaues werden wir wohl nie erfahren. Ohne Umsatz und Gewinnzahlen kann man natürlich nur im trübem fischen. Die Bewertung von StudiVZ dürfte auf jeden Fall sehr schwer zu ermitteln sein, denn die Zeit wirklicher Umsätze und Gewinne liegt erst noch vor StudiVZ. Auf jeden Fall hat man sich aber eine starke Marktposition aufgebaut. 2 Dinge werden jetzt besonders interessant werden. Schafft man es den Erfolg von Deutschland nach Europa zu tragen? Und schafft man es die Studenten über ihre Studienzeit hinaus an das Netzwerk zu binden.

    Ich wäre mir im übrigen nicht so sicher ob Studenten eine schlechte Zielgruppe sind. Immerhin sind es die “Besserverdiener” von morgen.

  • 2. gsyi  |  Januar 4th, 2007 um 2:35  |  Commentlink

    >> Ich wäre mir im übrigen nicht so sicher ob Studenten eine schlechte Zielgruppe sind. Immerhin sind es die “Besserverdienerâ€? von morgen.

    Guter Ansatz, aber wenn man weiterdenkt, benutzen Studenten StudiVZ hauptsätzlich dazu, um Kontakte mit anderen Studenten zu pflegen. Für Business-Kontakte gibt es andere (bessere) Plattformen wie OpenBC.

    >> Laut StudiVZ sollen es deutlich unter 100 Mio. Euro gewesen sein.

    Na dann sehen wirs doch, dass Spiegel totale Bullshit geschrieben hat. Jeder mit gesundem Menschenverstand würde gleich darauf kommen hehe…

  • 3. soeren onez  |  Januar 4th, 2007 um 14:36  |  Commentlink

    Hat nichts mit diesem Artikel zu tun, aber ich habe auf meinem Blog die Frage gestellt, ob es besser sei lange Artikel nur anzuteasern oder sie ganz einzustellen. Ich würde mich über eine Antwort freuen, da meine Stammleser nicht unbedingt als Google-Kenner zu bezeichnen sind:)
    Artikel teasern oder ganz einstellen?
    Wenn der Kommentar hier unpassend ist, entschuldigt und löscht ihn bitte.

  • 4. CBS  |  Januar 4th, 2007 um 18:41  |  Commentlink

    Mit 50 Millionen Euro liegts Du nach den letzten Meldungen nicht mal so falsch, die gab es offenbar “bar auf die Hand” plus weitere 35 Mio. unter bestimmten Bedingungen. Also insgesamt bis zu 85 Mio. für eine Community mit rund 1 Million Mitgliedern, meist Studenten. Da StudiVZ bis auf ein paar Testkampagneneuros wohl bisher nichts verdient hat, wird man sich sicher zumindest teilweise auch an Umsatzwerten aus den USA orientieren haben. Auch wenn ich das Projekt selbst ebenfalls für extrem überbewertet halte, wird der Verlag schon ganz genau wissen, was er tut, ist ja auch nicht das erste Mal. Holtzbrinck Networks, der jetzigen Eigentümer war jedoch vorher nicht an StudiVZ beteiligt, sondern die Schwestergesellschaft Holtzbrinck Ventures. Deine dritte These trifft also so nicht ganz zu.

  • 5. gsyi  |  Januar 4th, 2007 um 19:36  |  Commentlink

    >> Holtzbrinck Networks, der jetzigen Eigentümer war jedoch vorher nicht an StudiVZ beteiligt, sondern die Schwestergesellschaft Holtzbrinck Ventures.

    Beide Firmen gehören ja zur selben Unternehmensgruppe, nur aus steuerlichen Gründen werden sie getrennt. Wichtige Entscheidungen (wie z. B. in diesem Fall) treffen immer noch die Führungsetage des Mutterkonzerns…

  • 6. Michael  |  Januar 4th, 2007 um 22:46  |  Commentlink

    StudiVZ ist aus meiner Sicht aktuell das Kontakt-Portal mit dem größten Potential in Deutschland. Aktuell hat die Seite schon sehr viele Studenten als User gewonnen, weitere folgen mit jedem neuen Abijahrgang. Inzwischen ist die Seite so populär, dass in dieser Altersgruppe auch “Nicht-Studenten” sich auf der Seite anmelden. Studenten die mit ihrem Studium am Ende sind, bleiben in der Regel trotzdem User auf der Seite. In den nächsten Jahren kann die Seite sicherlich fünf bis zehn Mio. User haben. Dann muß man sich nur einmal vorstellen, über was für ein Einkommen Menschen mit abgeschlossenem Studium verfügen. Dies sind dann z.B. Lehrer, Ärzte, Anwälte, usw.. Da will ich nichts von einkommensschwacher Zielgruppe hören.

    Der große Wettbewerber auf dem Deutschen Markt ist/war OpenBC. Nach dem optischen Facelift entspricht die Seite aus meiner Sicht nicht mehr einem Business-Community-Portal. Vielen anderen Usern wird es sicherlich ähnlich gehen und werden die Seite weniger nutzen. Ob sich neue User gewinnen lassen werden glaube ich eher nicht.

  • 7. CBS  |  Januar 5th, 2007 um 13:02  |  Commentlink

    @gsyi: Es ging mir um die Folge, die Du für die Bewertung daraus gezogen hast, was mir in diesem Zusammenhang nicht richtig erscheint. Networks hat 100% der Anteile zum Preis X gekauft, da spielt es für die Bewertung erst mal keine Rolle, ob die Schwester Ventures 15% davon hielt.

  • 8. pip  |  Januar 8th, 2007 um 15:54  |  Commentlink

    1. dass es wirklich 1 Mio aktive User gibt würde ich bezweifeln ;) der tatsächliche Kaufpreis pro echtem User geht sicher ins 3-stellige.

    2. Das Wachstumspotential sehe ich nur noch international. Die Leute, die “mit jedem Abi-Jahrgang” hinzukommen studieren schließlich nicht alle. 10 Mio Mitglieder ist zudem vollkommen utopisch. 1-2 Mio ECHTE nutzer wäre schon ein tolles ergebnis.

    3. ich denke auch nicht, dass viele user dem portal über die studienzeit hinaus erhalten bleiben. selbst mittels alumni-seiten etc bringt man user nur extrem selten dazu wieder reinzuschauen. ich gebe XING da wesentlich mehr potential. Die Zielgruppe ist nicht nur besser, sondern auch größer.

  • 9. eugen  |  Januar 12th, 2007 um 18:02  |  Commentlink

    Sorry, aber wenn es kein Web2.0 schicki micki wäre, würde man dort nicht umgerechnet 100 Euro pro Studenten kriegen.
    Kann mir schwer vorstellen, das soviel dafür gezahlt wurde.

  • 10. ads' corner&hellip  |  Januar 14th, 2007 um 23:32  |  Commentlink

    So sollte eine Community nicht funktionieren…

    Dieser Blogeintrag wird eine Zusammenstellung aller möglichen Links, die ich rund um StudiVZ (und die dortigen Probleme) finde:
    Was war. Was wird (1)
    Was war. Was wird (2)
    Was war. Was wird (3)
    (Heise) Datenleck beim StudiVZ?
    (Heise) Weiter Wir…

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